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Methodik

Freie KI oder Embedded KI: die Schlüsselentscheidung im Umgang mit generativer KI

Dr. Peter Prieß
31. August 2026 · 5 Min. Lesezeit
K
Das Wichtigste in Kürze
  • Frei verfügbare generative KI beruht auf statistischer Mustererkennung und Wahrscheinlichkeitsberechnung, nicht auf Verständnis.
  • Halluzinationen entstehen aus dieser Funktionsweise: Fehlen die passenden Trainingsdaten, wird die Antwort erfunden.
  • Vor der Integration stehen vier Fragen: Kosten und Nutzen, dauerhafte Qualität, Entscheidungskompetenz der Mitarbeitenden, Urheberschaft am eigenen Wissen.
  • Embedded KI heißt: eingebettet in einen Systemzusammenhang, gestützt auf eine proprietäre, kuratierte Datenbasis, assistierend statt entscheidend.
  • Der Aufbau eigener Wissens- und Erfahrungsdomänen sichert das Know-how im Haus und gehört auf die Transformationsagenda des Managements.

Seit der Vorstellung generativer KI mit ChatGPT Ende 2022 hat sich das Arbeiten mit frei verfügbarer KI etabliert. Die Zahl der Anbieter wächst, die Ergebnisse sind beeindruckend. Viele Verantwortliche stellen sich dieselbe Frage: Wie lässt sich generativer KI-Einsatz nutzenstiftend und kontrolliert in den Arbeitsalltag integrieren?

Wie freie generative KI arbeitet

Das Grundprinzip frei verfügbarer generativer KI beruht auf statistischer Mustererkennung und Wahrscheinlichkeitsberechnung über verfügbare Daten, Dokumente, Bilder und Informationen durch künstliche neuronale Netze. Analysiert werden die Beziehungen von Wörtern oder Pixeln zueinander; abgespeichert werden sie als mathematische Strukturen in einer Vielzahl von Parametern. Generative Modelle erzeugen Inhalte nicht aus einem Verständnis heraus, sondern sagen das wahrscheinlichste nächste Element voraus, Wort für Wort oder Pixel für Pixel.

Kostenlos sind diese Angebote aus zwei Gründen: Sie dienen den Anbietern zur weiteren Datensammlung, und sie werben für die kostenpflichtigen Premium-Versionen.

Warum Halluzinationen entstehen

Die Qualität der Trainingsdaten bestimmt direkt die Qualität der Ergebnisse: ihre Menge, ihre Bandbreite und ihr thematischer Zusammenhang. Falsche oder unvollständige Antworten entstehen hauptsächlich aus der Funktionsweise selbst, also aus statistischen Mustern anstelle von echtem Verständnis. Ein Bewusstsein für Fakten oder Wahrheiten gibt es in diesen Modellen nicht. Wenn die Daten, Dokumente und Informationen, auf denen ein Angebot trainiert wurde, die richtige Antwort nicht enthalten, kommt es unweigerlich zu frei erfundenen Antworten. Wie sich dieser Effekt in einem fachlich begrenzten System eindämmen lässt, haben wir am Beispiel der Fehlerquote domänenspezifischer Modelle beschrieben.

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Der Unterschied liegt in der Datenbasis: Ein freies Modell antwortet aus allem, worauf es trainiert wurde. Eine eingebettete KI antwortet aus einem Bestand, den die Organisation selbst pflegt. Was es auf Dauer bedeutet, wenn jede Antwort außer Haus entsteht, steht in Domain-Wissens-Erosion.

Vier Fragen vor der Integration

Welche Aspekte sind zu berücksichtigen, um KI klug und umsichtig in einen wissensbasierten Arbeitsprozess zu integrieren? Vier Punkte gehören geklärt, bevor ein Werkzeug ausgewählt wird:

  • Kosten und Nutzen ihres Einsatzes umfassend kontrollieren
  • Qualität dauerhaft sichern
  • Entscheidungskompetenz der Mitarbeitenden dauerhaft erhalten
  • Urheberschaft an den eigenen Wissens- und Erfahrungssammlungen sichern

Dazu kommt eine Frage, die in rechtsberatenden Häusern früh auftaucht: Sollen die Ergebnisse wissensbasierter Arbeit mit KI-Unterstützung einem intern vorgegebenen Regelwerk folgen?

Was Embedded KI bedeutet

Versteht man unter Embedded KI, dass KI Teil eines vollständigen Systems für digital unterstützte, wissensbasierte Arbeit ist, folgt daraus dreierlei:

  • Eingebettet: KI steht in einem umfassenden Systemzusammenhang und wird als Werkzeug dort eingesetzt, wo sie eindeutigen Nutzen stiftet.
  • Proprietäre Datenbasis: Sie ist thematisch fokussiert, ausreichend umfangreich, bestenfalls kuratiert, und sie lernt aus der eigenen Nutzung und aus hochwertigem Feedback der Expert:innen, die mit ihr arbeiten.
  • Assistierend: KI verteilt fachliches Wissen und entscheidungsrelevante Erfahrung an alle gleichermaßen.

Der dritte Punkt trennt zwei Bestände, die in der Praxis oft vermischt werden: kuratiertes Fachwissen und die Erfahrung aus bearbeiteten Fällen. Warum beide zusammengehören, steht in Knowledge Base und Experience Base.

Drei Wege in die Entscheidung

Wer die Aufgabe umfassend betrachtet, wissensbasierte Arbeitsabläufe strategisch klug und umsichtig digital zu transformieren, landet meist bei einer von drei Erkenntnissen: Entweder es sind bereits eine oder mehrere vollständige Lösungen für die gezielte digitale Transformation verfügbar, oder es muss in ein Pflichtenheft investiert werden, oder eine unabhängige Sicht von außen sorgt für Transparenz und Unabhängigkeit bei der Suche.

Wir bauen mit DIMA den ersten Weg für rechtsberatende Organisationen, und wir begleiten den zweiten und dritten in der Beratung. Wer das liest, weiß damit auch, woher unsere Sicht kommt.

Eine möglichst vollständige Kontrolle über den Einsatz von KI in Organisationen, Vereinen, Unternehmen und Behörden zu erreichen, sollte integraler Bestandteil der Strategien im Umfeld digitaler Transformation sein. Der Aufbau proprietärer Wissens- und Erfahrungsdomänen sichert das eigene Know-how und ist die Voraussetzung dafür, allen Mitarbeitenden den dauerhaften und hochwertigen Zugang zu eigener Entscheidungskompetenz zu liefern. Freie KI versus Embedded KI ist eine kritische Schlüsselentscheidung. Diese Entscheidung sicher zu treffen, sollte auf der Transformationsagenda des Managements höchste Priorität erhalten.

Peter Prieß, CODIAC Knowledge Engineering

Quellen

  • Vertriebskonzept „Abgrenzung zwischen freiem KI-Einsatz und einer Embedded-KI“, internes Arbeitspapier der CODIAC Knowledge Engineering GmbH, 29.08.2026. Alle inhaltlichen Aussagen dieses Beitrags stammen aus diesem Papier.
  • Externe Quellen werden hier nicht zitiert. Der Beitrag nennt bewusst keine Marktzahlen und keine Fehlerquoten.

Häufige Fragen

Ist freie generative KI für die Fallbearbeitung unbrauchbar?
Nein. Sie ist ungeeignet überall dort, wo die Antwort belegbar sein muss. Ein Modell ohne Zugriff auf den geprüften Wissensbestand des Hauses sagt das wahrscheinlichste nächste Wort voraus, auch wenn ihm die Grundlage fehlt.
Was unterscheidet Embedded KI technisch von einem Chatbot mit Firmendaten?
Die Datenbasis ist proprietär, thematisch fokussiert und kuratiert, und sie lernt aus der Nutzung und dem Feedback der Expert:innen. KI ist dabei ein Werkzeug innerhalb eines Systems für die wissensbasierte Arbeit, nicht das System selbst.
Warum ist die Urheberschaft am eigenen Wissen ein Thema?
Wer seine Fälle über ein fremdes Modell bearbeitet, baut den eigenen Erfahrungsbestand nicht auf. Proprietäre Wissens- und Erfahrungsdomänen sichern das Know-how im Haus.
Wo fängt man an, wenn die Entscheidung noch offen ist?
Mit der Bestandsaufnahme: verfügbare vollständige Lösungen prüfen, ein Pflichtenheft erstellen oder eine unabhängige Sicht von außen einholen.
Dr. Peter Prieß
CODIAC Knowledge Engineering

Autor des Vertriebskonzepts „Abgrenzung zwischen freiem KI-Einsatz und einer Embedded-KI“ vom 29.08.2026.

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